Die kleine Hexe Curadina

Die kleine Hexe "Curadina"

Eine Geschichte aus Saltria auf der Seiser Alm

Es begann alles schon vor langer, langer Zeit...

...zu einer Zeit in der noch edle Burgherren und furchtlose Ritter das gesamte Land regierten. Die Bewohner des Schlerngebietes, allesamt Bauern, bewirtschafteten das kostbare Land, brachten täglich das Vieh auf die Weide und trafen sich jeden Sonntag fromm bei der heiligen Messe. Alles war in bester Ordnung: die Bäuerinnen sorgten sich um den Haushalt und die Männer schufteten fleißig auf den Feldern. Nur von den bösen Schlernhexen erzählte man viele Schauergeschichten; einige wurden sogar Zeugen deren Übeltaten.

Die Bewohner meinten auch zu wissen, dass an jedem „Großen Vollmond“, dem ersten Vollmond des Sommers, die Große Versammlung aller Schlernhexen der Region am Plattkofel stattfand. Einigen Mutigen gelang es in einer dieser Nächte sogar bis kurz unter dem, von schwarzen Wolken bedeckten und von Blitzen umkreisten Gipfel des Plattkofels zu gelangen. Sie sahen wie Hexen um ein loderndes Feuer und mysteriöse, im Stein eingeritzte Zeichen tanzten. Mit einem schrillen Gekreische brüllten Sie laute Hexensprüche in die dunkle Nacht hinein. Die Oberhexe saß auf einem mächtigen Felsvorsprung und schaute mit einem listigen und von Vorfreude geprägten Blick von oben aus zu.

An Donnerstagen trafen sich immer allesamt auf dem höchsten Punkt des Schlerns, dem „Petz“. Dort wurde mächtig gefeiert, getanzt, gegessen, geschrien, gesprungen und viel verzehrt.. Die wildesten und ältesten Unwetter brachten die Hexen über die Seiser Alm, Kastelruth, Seis, Völs und Umgebung: Sie saßen und zauberten schwarze Wolken herbei, mit Blitz und Donner geladen, gelbe Hagelwolken bedeckten den Himmel. Mit den Hexenbesen flogen Sie umher, vom Schlern aus zum Plattkofel, zu den Hexenbänken und zurück auf den Schlern. Vor allem trafen sie sich aber zum Gespräch und Erfahrungsaustausch; Tipps für Übel-, Rache- oder Freveltaten wurden einander ausgetauscht. Erst am ersten Klang der Bett-Glocke löste sich der ganze Zauber auf.

Nur die kleine Hexe Curadina konnte diesen Gewohnheiten nichts anhaben. Sie saß lieber Zuhause und wusch, putzte und kochte für die Oberhexen. Eigentlich war ihr es nicht nur egal wie sich die bösen Hexen verhielten, sondern es war ihr sogar sehr unangenehm. Eines Tages wurde es Curadina einfach zuviel; sie packte ihre wenigen Sachen, als sie endlich wieder einmal alleine war, floh sie wie vom Geistesblitz getroffen aus dem Hexenhaus. Sie erinnerte sich an ein kleines, niedliches Stück Wald und machte sich schnurstracks auf den Weg dorthin und fand auch bald ein Unterschlupf, wo sie zumindest die erste Nacht verbringen konnte.

Tage, Wochen und Monate vergingen. Sie konnte vom Waldleben einfach nicht genug bekommen!
Sie liebte die kleinen Bäche, Waldlichtungen und die blühenden Almwiesen. Sie durchforschte den ganzen Wald, kannte bald jeden Baum und beobachtete die Tiere beim Grasen. Nur etwas war ihr irgendwie unheimlich: Curadina fühlte sich von jemandem beobachtet.
Eines Tages, als sie wieder einmal bei der Schwefelquelle saß und ihre müden Füße in magisches Schwefelwasser badete, hörte sie einen lautes „wuschhhh“ und neben ihr stand, wie dahergezaubert, eine große, gar majestätische Eule:

Erschrocken sprang Curadina auf und konnte kaum ihren Augen trauen. Sie wollte nach dem Namen und Herkunft nachfragen, brachte aber keinen Ton von sich. Die Eule schmunzelte und entschuldigte sich gleich bei Curadina, da sie sich eigentlich bei ihr nur vorstellen wollte: „Hallo Curadina!“ begrüßte sie die kleine Hexe. „Nun schaue ich dir schon einige Zeit zu und bin nun sicher: Du bist wirklich eine lustige und brave kleine Hexe! Gerne zeige ich dir noch viele tolle Dinge im Wald!“ versprach sie und fragte gleich noch mal nach: „Natürlich nur wenn du Lust hast...“
„Gerne!“, freute sich Curadina und lief schon in Richtung Wald. Sie wurden richtig gute Freunde: Curadina konnte mit der Hilfe der weisen Eule Emma viele neue Dinge entdecken. Emma hingegen freute sich ständig an den verrückten Ideen der kleinen Hexe.

Wer genau hinschaut kann die beiden vielleicht im Wald entdecken oder verschiedene Zeichen von ihnen finden!

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